Wortkünstler

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Als Sprachfetischistin, Berndeutsch- und Musikfan nenne ich hier vorab Musiker/innen, die ich für ihre genialen (Song)Texte bewundere wie etwa
Endo AnacondaTrummer oder Büne Huber.

Endo Anaconda – Merci

merci dass mir nie chrieg hei gha
ussert dä deheime oder uf der outobahn
ke fuesspilz u ke cholera
ke hunger wie d lüt in afrika
merci dass i cha schriebe läse
merci fürs ässe merci für alles
für was genau ha ni vergässe

merci für d ränte für d‘arbeitslosehose
merci fürs lose merci fürs schwige
merci fürs millionelos merci viel mal
merci für d bärge für stadt und heimatland
für e sitzplatz duss im garte
merci fürs warte
i bi gäng ir falsche reihe gschtande

merci fürs gäh merci fürs näh
merci für alles was i nie ha gha
merci für schwarzi u wissi schaf
di schaf wärde gmetzget di wisse sie brav
merci dass dir so schön heit gsunge
di angere hei einewäg ume gwunne
ole ole ole ola

aber i wott meh
meh als mönschemöglich isch
i wott nech ändlech lache gseh
so lachit emal lachit lachit
lachit isch scho rächt

merci dass i darf säge was i dänke
merci dass dir niemer meh tüet hänke
nid vierteile is rad flächte nid teere u nid fädere
merci dass i ha dörfe öppis lehre
bruchsch matur zum ghüderchübel lääre
merci viel mal isch scho rächt

merci dass i bi hie gebore
merci für jede chlapf a d ohre
merci dass i weiss was guet u schlächt
u rächt
isch guet gmeint aber sorry i bi so verdorbe
merci für e still has u für di stilli nacht
u dass es am erschte ougschte kracht
papi mami mami papi gottvertammi

aber i wott meh…

merci für ufe merci für abe
merci für nes ewigs gsungs u längwiligs läbe
merci für alles wo ni verlore ha
geschter no da u hüt niene meh
merci für e puderzucker merci für e schnee
mir wird grad schlächt
merci viel mal isch scho rächt

merci für d liebi für d träne für d narbe
merci dass i no nid bi gschtorbe
merci für jede tag für jedi schöni nacht
merci für jede seich wo ni no nid ha gmacht
merci dass i cha öppis zahle mit öppis
wo ni nid ha
für öppis wo ni nid ha gmacht

aber i wott meh…
ds gröschte wunder wo d mönschheit
je het gseh
i wott meh

Einer der ganz grossen Wortkünstler ist für mich Endo Anaconda von Stiller Has. Er schreibt nicht nur starke Songtexte, mit denen er der Gesellschaft den Spiegel vor die Augen hält, sondern auch Kolumnen und anderes. Übrigens ist sein Buch „Sofareisen“ wieder lieferbar.

Im Februar 2016 hat meine Tochter Nora (3. von links) Endo & Co. in Bern getroffen und einen lustigen Abend verbracht – und mir dieses Bild geschickt. Merci für die Erlaubnis, es hier zu veröffentlichen :-)

Im Februar 2016 hat meine Tochter Nora (3. von links) Endo und Kollegen in Bern getroffen, mit ihnen einen lustigen Abend verbracht und mir dieses Bild geschickt. Merci, stiller Has, für die Erlaubnis, es hier zu veröffentlichen!

 

Trummer – Eleni

När hesch di letschte Stüehl uf d’Bar gstellt, Zmorgecharte ufe Tisch
Wirfsch e Blick no mal i Chüehlschrank, ob o hüt wider alls am rächte
Ort isch U we du d’Tür hinder dir zueziehsch mit em Schlüssel i dr Hand
Dänksch nomal a all die Gschichte wot hesch mitbrcho en Aabe lang
Ds eltere Päärli, wo näbenand het gschwige
Dr Ismael, wo grad ke Stutz het gha
Di gschniglete Junge, wo besorgt vor Börse gredt hei
U d’Jenä, ganz alleini a dr Bar
Uni ghöre wie ds Türschloss ufgeit, d’Schritte duss im Gang
I weiss, du wirsch diräkt zu mir cho
I ha gwartet uf di, u ds Bett isch warm
U du verzellsch vo däm Päärli, wo näbenand het gschwige
U du seisch, we mir so wärde, de würdsch ga
Vo de gschniglete Junge, wo besorgt vor Börse gredt hei
U du fragsch: Meinsch das betrifft üs de o mal?
Dini Chunde sy dir frömd
U ihri Sorge sy dir frömd
U o i bi dir frömd gsy
Aber jitz bini dä wo di gärn het, Eleni
Und wie o i denn het di mänge hüt Nacht agluegt
Und wie o i denn tröimt er jitz villicht drvo
Si gseh dir a dass’d nid vo hie bisch
Aber nid wenn u werum du zu üs bisch cho
Nüt vo däm Päärli, wo im Nachbarhuus verbrönnt isch
Vo dim Brüetsch, wome när nieme het gseh
Vo däm Schuelfründ, wo urplötzlich e Find isch
I där Nacht, wo si sy cho mit ihrne Gwehr
U dini Wunde sy mir frömd
Dini Alptröim sy mir frömd
Öie Chrieg dert isch mir frömd
Dini Ängscht hie sy mir frömd
U o du bisch mir frömd gsy
Aber jitz bini dä wo di gärn het, Eleni

Im Januar 2016 hatte ich das Vergnügen, Trummers musikalischen Geschichten in der guten Stube unserer Freunde Isabel und Simon lauschen zu dürfen. Insbesondere beeindruckt mich sein Projekt „Heldelieder“ – nicht nur als CD sondern auch als speziell aufgemachtes Buch erhältlich mit den Geschichten von Menschen, deren Wege sich in Elenis Bar kreuzen.

Büne Huber – w. nuss vo bümpliz
d w.nuss vo bümpliz geit dür d schtrass | liecht & flüchtig wie nes gas | so unerreichbar höch | bockschtössigi himbeerbuebe | schüüch & brav wie schaf | schön fönfrisiert | chöme tubetänzig nöch | & d schparg le wachse i bluetjung morge | d sunne chunnt | s wird langsam warm | sie het meh als hundert ching | & jede früehlig git’s es nöis | het d chiuchefänschterouge off | & macht se zue bi jedem kuss | & we sie lachet wärde bärge zu schtoub | & jedes zäie läderhärz wird weich | d w.nuss vo bümpliz | isch schön wie nes füür i dr nacht | wie ne rose im schnee | we se gseh duss in bümpliz | de schlat mir mys härz hert i haus | & I gseh win I ungergah | sie wohnt im ne huus us glas | hinger türe ohni schloss | gseht dür jedi muur | dänkt wi nes füürwärch | wi ne zuckerschtock | läbt wi ne wasserfau | für sie git’s nüt wo’s nid git | & aus wo’s git git’s nid für ging | sie nimmt’s wie’s chunnt | & lat’s la gah | d w.nuss vo bümpliz | isch schön wie nes füür i dr nacht | wie ne rose im schnee | we se gseh duss in bümpliz | de schlat mir mys härz hert i haus | & I gseh win I ungergah

Für mich bleibt Büne Huber von Patent Ochsner als Texter an Genialität schier unübertroffen.
Alle seine Songtexte